Sport macht dick

Dieses Klagelied wohlbeleibter Sportsfreunde hat wohl jeder schon mal gehört “ … aber ich mache doch Sport!?“ Der Nachsatz „…und nehme trotzdem nicht ab!“ wird dann meist verschluckt. Dafür meldet sich dann eine neunmalkluge Couchpotatoe mit der vermeintlich logischen Erklärung: „Sag‘ ich doch: Sport macht dick!“ Stimmt sogar, wenn man jede Bewegung für Sport und jeden Sport für gesund hält. Fitness- und Ernährungsexperte Patrick Heizmann klärt in seiner neuen Kolumne in shape UP, dem Magazin der Fitnessstudios, über die Unterschiede auf.

Als Fitness-Coach und ehemaliger Fitness-Clubbesitzer konnte ich zwei Gruppen beobachten, die langsam aber stetig Fettpölsterchen mittels Sport draufpackten. Die eine, recht kleine Gruppe, gibt Vollgas. Fast nur Männer. Sprinten im hohen Tempo am Waldrand oder im Stadtpark. Der Puls kurz vorm Kammerflimmern. Die erkennt man im Dunklen sogar von Weitem: am glühenden Kopf. Kaum in Hörweite klingen die wie eine Dampfmaschine im ausgelasteten Zustand. Dumm nur: diese Kollegen verbrennen hauptsächlich Zucker. Blutzucker.

Normalerweise bekommen wir bei einem deutlich erniedrigten Blutzuckerspiegel großen Hunger. Nicht diese Extremläufer. Warum? Das Tempo machst. Bei dem Affenzahn schüttet der Körper ein körpereigenes Schmerzmittel aus: Endorphine! Die schalten den Hunger ab. Und machen High! Ambitionierte Läufer haben deshalb regelrecht Gehirnfasching. Die Glückshormone machen eine Polonaise durch den Körper.

Aber kaum zuhause angekommen verschwinden die Endorphine. Und sobald die Synapsenparty im Frontallappen vorüber ist, meldet sich das unterzuckerte Hirn zurück. Dann geht es wie ferngelenkt zum Kühlschrank. Alle beim Rennen verbrannten Kalorien kommen zurück nach Hause. In das Feinkostgewölbe. Und bringen noch ein paar Kumpels mit. Und genau so macht Sport langfristig… dick! Was übrigens auch für Feierabendsportler, die Fußball oder Tennis spielen, gilt: auf dem Platz wird alles gegeben, danach geht’s ab ins Clubheim zu Schnipobi… also Schnitzel Pommes, Bier.

Stöckchen kratzen reicht nicht

Und dann gibt es noch das andere Ende der Skala: die Gruppe der „Unterforderer“. Die ist riesig! Wer gemütlich mit seinen Stöckchen durch den Wald schlendert, ein paar Bahnen durch‘s Schwimmbecken zieht oder einen
kleinen Radausflug macht, überschätzt all zu gerne den Kalorienverbrauch. Die anschließende Belohnung mit einem Brötchen, Kuchen oder einer Extraportion Spaghetti landet direkt im Schenkelsilber. So kann Sport dick machen. Saublöd, wenn man sich zum Sport überwindet und auf der Waage tut sich nix. Dann hört man auch schnell wieder frustriert auf.

Trainieren mit Sinn, Essen mit Verstand

Die Lösung? Ob mit oder ohne Stöckchen: auf der einen Seite nicht übertreiben, auf der anderen Seite ruhig ein bisschen Gas geben, ins Schwitzen kommen. Und: Das Richtige essen. Vor dem Sport keine Kohlenhydrate. Denn Kohlenhydrate werden immer bevorzugt vor dem Fett verbrannt.

Wer ab der ersten Minute mehr Fett verbrennen will, tankt vor dem Fettverbrennungstraining möglichst wenige Kohlenhydrate. Und verlängert zudem noch die angelaufene Fettverbrennung nach dem Sport, indem möglichst bald nach dem Fettverbrennungstraining gegessen wird. Keine Kohlenhydrate. Sondern Eiweiß! Dem Schwein lieber ein Schnitzel mehr aus der Keule schnitzen. Dafür aber möglichst wenige Kartoffeln vom Baum pflücken. Gemüse könnt ihr futtern, bis es aus den Ohren wieder rausquillt.

So kann auch Sport schlank machen.

Foto: Nomad_Soul, Shutterstock

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