Ernährungspyramide Lebensmittelpyramide

Die am weitesten verbreitete Lebensmittelpyramide wurde 1992 vom U.S. Department of Agriculture herausgegeben. Die so genannte »USDA Food Pyramid« war dann auch Vorbild für die in Deutschland vom AID (Informationsdienst für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft) publizierte Ernährungspyramide. Hierin dokumentierte sich die lange Jahre betriebene Kohlenhydratlastigkeit in der Ernährung, die zunächst von Willett in seiner »Healthy Eating Pyramid« und später von Ludwig sowie Atkins in Amerika einmal unter Beachtung des glykämischen Index und zum anderen nach dem Prinzip von »Low Carb« abgewandelt wurde. Wir stellen Ihnen im Folgenden alle vier Pyramidenvarianten vor und erläutern ihren Nutzen unter den Aspekten Gesundheit, Sport und Fitness sowie Gewichtsmanagement.

Körperlich aktive und schlanke Menschen können sich nach wie vor an die klassische kohlenhydratorientierte Lebensmittelpyramide halten. Die Anordnung der einzelnen Lebensmittelgruppen in den verschiedenen Stockwerken der Ernährungspyramide: Auf der ersten Stufe stehen die Getränke. Unmittelbar darüber werden Getreideprodukte empfohlen. Sie sollen die Grundlage jeder Mahlzeit bilden. An der Spitze stehen die Einfachzucker und Süßigkeiten. Diese sollten nach Möglichkeit in nur sehr geringen Mengen verzehrt werden.

Für wen sind diese Empfehlungen geeignet?

Diese Lebensmittelzusammenstellung ist sehr aktiven Menschen zu empfehlen. Nur wer sich ausreichend bewegt, kann diese hohen Mengen an Kohlenhydraten auch verbrennen. Auch Personen, die zunehmen möchten (z. B. Bodybuilder), können sich an dieser Ernährungspyramide orientieren. Auf Grundlage dieser Lebensmittelpyramide sind die so genannten »Weight Gainer« (Gewichtszunahmeprodukte) entwickelt. Personen, die abnehmen möchten, können theoretisch auch mit dieser Ernährungsform abnehmen. Jedoch lösen Kohlenhydrate mit zu hohem glykämischen Index Heißhunger aus, der eine Durchführung mit angepasster Kalorienzufuhr erschwert. Dadurch wird vermutlich »Mehressen« provoziert.

Im Gegensatz zu anderen Ernährungspyramiden berücksichtigt die Willett-Pyramide neben der Lebensmittelauswahl auch Lebensstilfaktoren. Täglich Bewegung und die Einhaltung eines gesunden Gewichts bilden die Grundlage der Empfehlung. Vollkornprodukte und pflanzliche Öle bilden die Basis der Pyramide. Verarbeitete Getreideprodukte wie Weißbrot, weißer Reis, Nudeln sowie Kartoffeln und Süßigkeiten sollen nur selten konsumiert werden. Sie finden sich zusammen mit rotem Fleisch und Butter in der Spitze seiner Pyramide. Rotes Fleisch und Butter sollen gemieden werden.

In der zweiten Ebene der Lebensmittelpyramide erscheinen Gemüse und Obst. Gemüse soll reichlich und Obst zwei- bis dreimal pro Tag verzehrt werden. Als Eiweißlieferanten bevorzugt Willett in der dritten Ebene Nüsse und Hülsenfrüchte (ein- bis dreimal pro Tag). Fisch, Geflügel und Eier (vierte Ebene) sollten bis zu zweimal pro Tag und Milchprodukte oder alternativ Kalziumpräparate (fünfte Ebene) ein- bis zweimal pro Tag konsumiert werden.

Auffällig an Willetts Ernährungspyramide ist, dass Getreideprodukte nach ihrem glykämischen Index differenziert betrachtet werden. Während Vollkorngetreideprodukte weiterhin einen hohen Stellenwert in der Ernährung haben, sollen geschälter Reis, Produkte aus Auszugsmehlen, Kartoffeln und Süßwaren nur sparsam verwendet werden. Milchprodukte haben eine relativ geringe Bedeutung und können nach Willetts Meinung durch Kalziumpräparate ausgetauscht werden. Zudem empfiehlt Willett nahezu für jeden Menschen MultiVitaminpräparate.

Low Glycemic Index Pyramid nach Professor Ludwig

Diese Ernährungspyramide berücksichtigt den glykämischen Index, also die Auswirkung von Lebensmitteln auf den Blutzucker, noch stärker als bisherige Ernährungsempfehlungen.
Die Basis der Pyramide bilden Gemüse, zubereitet mit pflanzlichen Ölen, und Obst. Eiweißlieferanten zu je einem Drittel aus fettarmen Milchprodukten, magerem Fleisch, Fisch und Sojaprodukten sowie weiteren Hülsenfrüchten und Nüssen bilden die zweite Ebene. Vollkorngetreideprodukte und Nudeln ergänzen den Speiseplan in der dritten Ebene. In der Spitze seiner Pyramide finden sich Weißmehlprodukte, Kartoffeln und Süßigkeiten, also Kohlenhydrate mit einem hohen glykämischen Index. Diese Form der Pyramide unterscheidet sich von den bisherigen Empfehlungen durch eine stärkere Gewichtung von Gemüse und Obst und eine Aufwertung von pflanzlichem Öl sowie Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Sie unterscheidet bei den Getreideprodukten: Vollkornprodukte haben einen höheren Stellenwert als Weißmehlprodukte und Kartoffeln.
Diese Pyramide ist besonders für Personen geeignet, die keinen Hochleistungssport betreiben, aber ihr Gewicht reduzieren möchten. Die geringen Insulinausschüttungen verursa¬chen keine Heißhungerattacken und machen die Durchführung einer kalorienreduzierten Diät möglich. Die empfohlene Ernährung ist außerdem eiweißakzentuiert. Als sinnvolle Alternativen bieten sich Eiweißkonzentrate und Low-Carb-Shakes an.

Robert C. Atkins publizierte seine Diät-Empfehlungen erstmalig 1972. Das Prinzip der Atkins-Diät besteht anfangs darin, kohlenhydratreiche Lebensmittel, also Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Süßigkeiten und Kuchen, vom Speiseplan zu verbannen.
Diese Ernährungsform wird auch als Low Carb bezeichnet. (»Low Carb« ist die englische Abkürzung für wenig Kohlenhydrate.) Es gibt sie auch in leicht abgewandelter Form als »South Beach Diät« oder »Metabole Diät«. Aus diesem Grund erscheinen die Kohlenhydrate an der Spitze der Pyramide. Atkins zufolge sollen eiweißreiche Lebensmittel wie Eier, Fisch, Fleisch, Geflügel und Sojaprodukte den größten Raum im Speiseplan einnehmen. Gemüse und Obst bilden ähnlich wie in der AID-Ernährungspyramide die zweite und dritte Ebene von unten. Milchprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle finden sich gemeinsam in der vierten Stufe. Laut Atkins können die Lebensmittel der oberen Ebenen mit zunehmender Bewegungsintensität vermehrt verzehrt werden. Diese Ernährungsweise führt zu einem Mangel an Kohlenhydraten. Um die Energieversorgung dem Zufallsprinzip entweder einer kohlenhydratarmen oder fettarm ernährten Gruppe zugeteilt wurden. Auch hier hatte nach sechs Monaten die erste Gruppe mehr an Gewicht verloren und eine Verbesserung der Fettwerte erzielt. Allerdings gibt es noch keine Langzeitstudien, die über den Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten hinausgehen.

Als erstes Ergebnis kann festgehalten werden, dass zur Erreichung eines schnellen Gewichtsverlustes ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen die Atkins-Diät sehr gut geeignet ist. Von vielen Menschen wird sie jedoch falsch verstanden: Sie denken, dass sie z. B. nie wieder Brot essen dürfen. Die Diät besteht laut Atkins aus mehreren Stufen: In der ersten Stufe werden nur sehr wenig Kohlenhydrate verzehrt. In den folgenden Stufen wird schrittweise der Kohlenhydratanteil erhöht. Insgesamt werden jedoch weniger Kohlenhydrate verzehrt, als zurzeit von den Ernährungsgesellschaften (z. B. Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfohlen werden.

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